Nachhaltigkeit

ist zentrales Thema der Fragen, die Kinder SWB Energie und Wasser gestellt haben.

Unsere Experten geben Antworten, die vielleicht nicht nur die Kinder staunen lassen:

Das Interview

Tom:
Und wie kriegt man diese elektrische Energie jetzt in ein Auto?
Das Auto ist ja keine Straßenbahn, die immer unter elektrischen Drähten entlangfahren kann.

Nora Schulte Beckhausen:
Na ja, so, wie Strom in alle mobilen Geräte gelangt: über eine wieder aufladbare Batterie.
Das ist übrigens keine neue Idee. Als das Auto erfunden wurde, gab es erstmal viele Autos, die mit einem Elektromotor fuhren. Der kann Energie besser ausnutzen als ein Dieselmotor. Der Nachteil: Die Batterie war riesig, schwer, musste sehr lange aufgeladen werden und immer dabei sein. Etwa in den 40er Jahren fanden die Menschen den Benzinmotor dann einfach praktischer.
Erst seit so etwa 10, 15 Jahren sind Elektroautos wieder ein Thema, weil bei Benzin- und Dieselautos der Treibstoff im Motor verbrannt wird, wobei viele Schad- und Schmutzpartikel übrigbleiben, die über Auspuff in die Luft geblasen werden.

Elektroautos scheinen da viel sauberer zu sein, denn die brauchen erst gar keinen Auspuff, aus dem Schadstoffe rauskommen könnten.


Tom:
Stimmt das so wirklich? Sind Elektroautos sauberer, also besser für die Umwelt als normale Autos?

Nora Schulte Beckhausen:
Hm, nicht so ganz, denn für die Atmosphäre ist es gleichgültig, ob ein Stoff erst im Automotor verbrannt wird, um das normale Auto direkt anzutreiben, oder ob er vorher verbrannt worden ist, um den Strom zu erzeugen, mit dem dann das Elektroauto dann fährt: In der Umwelt landet die gleiche Menge an Schadstoffen.

Elektroautos sind also nur dann umweltverträglicher, wenn der Strom, mit dem sie fahren, nicht aus einem Kraftwerk kommt, in dem erstmal Erdöl, Erdgas oder Kohle verbrannt wurden, um einen Stromgenerator anzutreiben. Bei der Verbrennung all dieser Stoffe entsteht nämlich, genau wie im normalen Automotor, viel Kohlendioxid, das man auch kurz CO2 nennt. Dieses Kohlendioxid oder CO2 ist ein Gas, das zwar ganz normal auf der Erde vorkommt, das wir z.B. auch ausatmen und das Pflanzen sogar brauchen, aber wir Menschen haben in den letzten Jahrzehnten solche Mengen davon produziert, dass jetzt soviel davon in der Luft ist, dass es das Klima beeinflusst.

Strom für Elektroautos sollte also produziert werden, ohne dass irgend etwas verbrannt wird und mit möglichst wenig Kohlendioxid.


Tom:
Mit Windkraft, zum Beispiel.

Nora Schulte Beckhausen:
Genau. Windräder produzieren Strom, indem sie einfach die Bewegungsenergie des Windes nutzen.

Ganz ähnlich wird die Kraft von schnell fließendem Wasser genutzt. An einem Wasserfall zum Beispiel oder an einem großen Fluss. Da wird das Wasser direkt über die Schaufelräder einer Turbine geleitet. Die Turbine erzeugt dann Strom - ganz ohne Abfallstoffe, wie beim Wind. Man könnte auch Sonnenenergie nutzen, nur geht das technisch ein bisschen anders, frag mal Marie. Wind-,  Wasser- und Sonnenenergie haben aber eines gemeinsam: Sie verbrauchen sich nicht, sondern stehen immer neu zur Verfügung und sie können ohne Abfallstoffe Strom erzeugen. Deshalb heißen sie auch erneuerbare Energien.

Und weil Strom aus erneuerbaren Energien gut für die Umwelt ist, nennen viele Menschen diesen Strom auch Ökostrom.


Tom:
Und wo kann man Ökostrom tanken?

Nora Schulte Beckhausen:
Nur wenn Elektroautos also mit Ökostrom fahren, sind sie tatsächlichumweltfreundlicher als normale. Deshalb gibt es an den beiden Stromtankstellen, die die Stadtwerke Bonn in der Stadt gebaut haben, auch nur Strom aus erneuerbaren Energien zu tanken. Und wenn ihr euch ein E-Mobil anschaffen wollt, bekommt ihr von SWB Energie und Wasser einen Bonus, aber nur, wenn ihr zu Hause dann auch Ökostrom bezieht, denn sonst macht das für die Umwelt ja keinen Sinn!

Kontakt

SWB Energie und Wasser
Welschnonnenstraße 4
53111 Bonn
Tel.: 0800 1 011700
bonn-denkt-weiter(at)stadtwerke-bonn.de
www.stadtwerke-bonn.de

Tradition der Nachhaltigkeit

1879/99

Licht und Wärme

Am 1. April 1879 nimmt das Bonner Gaswerk als erstes städtisches Unternehmen seinen Betrieb an der Karlstraße auf – am heutigen Standort des SWB-Heizkraftwerkes Nord und der SWB-Müllverwertungsanlage (MVA). Von nun an strömt dort produziertes „Stadtgas“ durch das Bonner Rohrnetz. Mit 1.205 privaten Kunden und einer Jahresabgabe von rund 1,4 Millionen Kubikmetern Gas beginnt die Unternehmensgeschichte der Stadtwerke Bonn.

Am 11. Februar 1899 geht auch das Bonner Elektrizitätswerk in Betrieb. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Gaswerk wird nun auch Strom selbst erzeugt.
Der erste private Kunde des städtischen Stroms ist der General-Anzeiger, dessen Räume in der Bahnhofstraße am 14. Februar mit elektrischem Licht erhellt werden.
Am 18. Februar eröffnet der „regelrechte Betrieb“ des Bonner Elektrizitätswerkes: Die ersten Bogenlampen setzen Straßen und Häuser ins rechte Licht.

1952

Fernwärme für Bonn

Mit der Entscheidung, das Bonner Elektrizitätswerk in ein Heizkraftwerk umzubauen, fällt gleichzeitig der Startschuss für eine Fernwärmeversorgung der Stadt. Die Idee: Der während der Stromerzeugung im Heizkraftwerk anfallende Dampf soll der Beheizung der umliegenden öffentlichen und privaten Gebäude dienen.
Die Geburtstunde von „Bonns größter Zentralheizung“ schlägt ein Jahr später, am 10. Dezember 1953, mit der ersten Fernwärmelieferung an die Obus-Halle der Stadtwerke Bonn in der Karlstraße. Geistiger Schöpfer der Bonner Fernheizung ist Erwin Hennessen, der damalige Betriebsdirektor des Elektrizitätswerkes.
Heute wärmt die umweltschonende Energie mehr als 2.000 Kunden in Bonn. Das SWB-Fernwärmenetz schlängelt sich in rund 80 Kilometern durch das Stadtgebiet. Prominente Abnehmer der bequemen Heizvariante sind der Post-Tower, die Museumsmeile und die Deutsche Telekom. SWB Energie und Wasser produziert die Fernwärme in zwei Heizkraftwerken, im HKW Nord an der Karlstraße und seit 1969 im HKW Süd in Dottendorf. Die beiden SWB-Heizkraftwerke werden mit Erdgas befeuert und garantieren so umweltschonende Fernwärme- und Stromerzeugung.
Seit 1992 liefert zudem die in unmittelbarer Nachbarschaft zum HKW Nord gelegene Müllverwertungsanlage (MVA) Dampf für die Strom- und Fernwärmeproduktion der Stadtwerke Bonn.
(Text: Tanja Kuhl)

1988

Energie aus Müll

Am 28. Juni erfolgt der erste Spatenstich zur neuen Müllverwertungsanlage (MVA) an der Immenburgstraße. Der Abfall soll durch Verbrennung endgültig vernichtet werden. Der dabei entstehende Dampf wird ins benachbarte Heizkraftwerk Nord weitergeleitet und für die Fernwärme- und Stromproduktion genutzt.
Die neue Bonner Müllverwertungsanlage wird am 5. Mai 1992 offiziell eingeweiht und nimmt am 3. August ihren regulären Betrieb auf. Neben dem wirtschaftlichen Vorteil für die Stadt Bonn und die Bonner Gebührenzahler sichert die MVA seither eine verlässliche und umweltgerechte Abfallentsorgung. Während manche deutsche Stadt Deponien füllt, bis sie zu gewaltigen Müllbergen anwachsen, geht Bonn intelligenter mit dem Abfall um: Denn in der MVA wird die Energie, die im Abfall steckt, für die Wärmeversorgung und für die Stromerzeugung genutzt. Mehr als 220.000 Tonnen Restmüll werden jährlich zur MVA transportiert und in den Verbrennungsöfen entsorgt. Dem Müll aus der Region können pro Jahr rund 430.000 Megawattstunden Energie entzogen werden, die wiederum in rund 80 Millionen Kilowattstunden Strom und etwa 175 Millionen Kilowattstunden Fernwärme umgewandelt werden; genug, um 10.000 Wohnungen zu heizen und 20.000 Wohnungen mit Strom zu versorgen.
(Text: Tanja Kuhl)

1999

Naturstrom für Bonn

Bereits seit dem 1. Mai 1999 steht den Bonner Bürgern ein eigenes Naturstromprodukt zur Auswahl. Damit übernahm SWB Energie und Wasser bundesweit eine Vorreiterrolle in Punkto regenerative Energien.
"BonnNatur Strom" wird zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen gespeist, genauer: aus Biomasse, Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. SWB Energie und Wasser arbeitet dazu mit einem regionalen Unternehmen aus dem Westerwald zusammen, das nach dem "Grüner Strom Label e.V. in Gold" zertifiziert ist. Dieses Zertifikat garantiert, dass mindestens 1 Cent pro Kilowattstunde wieder in den Bau neuer Anlagen zur Stromgewinnung aus regenerativen Energien investiert wird. Die wachsende Nachfrage gibt SWB Energie und Wasser die Möglichkeit, größere Mengen einzukaufen und somit die Preise für Ökostrom zu senken.
Bereits 2007 wurden BonnNatur-Kunden mit mehr als 8,3 Millionen Kilowattstunden Strom aus regenerativen Energien beliefert. Das SWB-Ökostrompaket erspart der Atmosphäre somit rund 5.200 Tonnen CO2 pro Jahr. Daran sind private Haushalte ebenso beteiligt wie die Stadt selbst, deren Altes Rathaus und Stadthaus, Verbraucher von rund 7,4 Gigawattstunden im Jahr, seit 2008 Ökostrom beziehen. Auch 29 Kirchengemeinden beziehen bereits BonnNatur Strom, größter Abnehmer sind aber bereits seit 2006 die beiden Dienstgebäude der Vereinten Nationen, der "Lange Eugen" und das "Haus Castanjen", mit einem Verbrauch von rund 6,7 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. Im Betrachtungszeitraum von 2009 - 2012 sparen die UN damit insgesamt 11.000 Tonnen C02-Emissionen ein.

heute

Höchste Effizienz

Seit 2010 wird das Heizkraftwerk Nord zu einer Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD) umgebaut, die höchste Ausnutzungsgrade (mehr als 86 Prozent) des Brennstoffs erreicht.
In dieser Anlage wird zunächst eine Gasturbine mit Erdgas befeuert, die einen Strom-Generator mit einer elektrischen Leistung von 24,5 Megawatt antreibt. Die rund 545 Grad Celsius heißen Abgase, die bei dieser Verbrennung entstehen, bringen im zweiten Schritt eine Dampfturbine auf Touren, die einen zweiten Generator antreibt, der eine elektrische Leistung von 70 Megawatt erzeugt. Wahlweise kann ein Teil des Dampfes auch zur Produktion der Fernwärme entnommen werden. Es ist möglich, bis zu 110 Megawatt Wärme auszukoppeln. Zu Kühlzwecken wird Tiefbrunnenwasser verwendet. Dies optimiert nochmals den Wirkungsgrad der GuD-Anlage.

Durch den Umbau wird die Eigenstromerzeugung von SWB Energie und Wasser von derzeit 230.000 auf 575.000 Megawattstunden pro Jahr gesteigert. Gleichzeitig wird das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gestärkt, und durch zusätzliche Nutzung von Abgasen aus der benachbarten Müllverwertungsanlage ist dies eines der größten Klimaschutzprojekte in der gesamten Region. Insgesamt werden durch den Umbau der Anlage 194.445 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr eingespart.

Bis Ende 2011 sollen die Baumaßnahmen an diesem 80 Millionen Euro-Projekt abgeschlossen sein.

2012ff

Offshore Windenergie

Im Sommer 2011 werden die Bauarbeiten beginnen: Rund 45 Kilometer nördlich von Borkum entsteht der Offshore-Windpark Borkum West II unter Federführung des Stadtwerke-Netzwerks Trianel. Die Stadtwerke Bonn sind einer von 33 Gesellschaftern, die an diesem ersten rein kommunalen Offshore-Windpark mit Projektfinanzierung beteiligt sind.
Als erstes werden vor Borkum in 30 Metern Wassertiefe die Fundamente, sogenannte Tripods, der ersten 40 Areva Wind M5000-Windräder auf einer Fläche von 56 km2 aufgebaut. Um Wetterunbilden aus dem Weg zu gehen, wird bis zum Sommer mit den Arbeiten für die Gründung der Tripods gewartet. Diese werden mit Stahlrohren (Piles) am Meeresboden „festgenagelt“; die Verbindung zwischen Pile und Tripod wird durch Beton hergestellt.
Nach der Fertigstellung zur Jahreswende 2012/2013 soll der „Regelbetrieb“ beginnen. Rund 200.000 Haushalte werden dann durch den 200 MW starken Windpark mit umweltfreundlichem Strom versorgt. Die Investitionssumme für den ersten Bauabschnitt beträgt über 700 Millionen Euro.
Die Beteiligung am Windpark in der Nordsee ist ein weiterer Schritt zum nachhaltigen Umbau der Bonner Energieversorgung hin zu den Erneuerbaren Energien und einer klimafreundlichen Stromerzeugung. SWB Energie und Wasser ist am Trianel Windpark Borkum mit einem Leistungsanteil von 5 Megawatt beteiligt.
Eine zweite Ausbaustufe mit 40 weiteren Anlagen ist für 2013 geplant.